St. Ignatius Essen

Glaubensgespräche in St. Ignatius

Seit Januar 2008 treffen sich monatlich am zweiten Donnerstag um 20.00 Uhr 20-30 Männer und Frauen im Gemeindesaal der Essener Jesuitenresidenz An St. Ignatius. Gesprochen wird über Fragen des Glaubens. In einer Zeit, in der vieles sich im Wandel befindet, Kirchen geschlossen werden, an Gottesdiensten gespart wird und zugleich Moscheen die wachsende Präsenz des Islam in der Öffentlichkeit sichtbar machen, müssen Christen sich fragen, was sie eigentlich noch glauben..

Der Jesuit Christian M. Rutishauser, Direktor des Lassalle-Hauses in Bad Schönbrunn in der Schweiz, schrieb im Oktober 2008 in der Herder-Korrespondenz: „Auf dem Weg der Kirche in die Moderne nach dem Konzil ist viel selbstverständliche Volksfrömmigkeit verloren gegangen. Man ist nicht mehr unhinterfragt katholisch, evangelisch auch nicht. Die Säkularisierung, Hauptziel der aufgeklärten Weltordnung, zeitigt Wirkung. Mehr und mehr geht das Wissen um die kirchlichen Traditionen verloren. Lehrer beklagen in den Schulen Unkenntnis und Desinteresse ihrer Schüler. Dass man Heiligen- und Marienfeste nicht zuordnen und mit Inhalt verbinden kann, mag noch nachvollziehbar sein, aber auch Ostern und Weihnachten bleiben nicht verschont von der Frage: Was machen wir da eigentlich?“

Wir versuchen deshalb, über unseren Glauben ins Gespräch zu kommen. Das Glaubensgespräch an St. Ignatius steht jedem Interessierten offen. Es ist der ausdrückliche Wunsch der Veranstalter, der Jesuiten Hans Waldenfels, em. Professor für Fundamentaltheologie der Universität Bonn, und Christian Berndt, Superior und Pastor an St. Ignatius in Essen, dass die Teilnehmer selbst ihre Fragen stellen. Aus dem so entstehenden Themen- und Fragenkatalog werden dann die einzelnen Abende gestaltet. Begonnen hat es mit dem Thema „Abbruch oder Aufbruch?“ Das Eingangsreferat kann in größerer Ausführlichkeit inzwischen im Buch Löscht den Geist nicht aus! Gegen die Geistvergessenheit in Kirche und Gesellschaft von Hans Waldenfels (Schöningh: Paderborn 2008) nachgelesen werden. Das Thema wurde im Blick auf das 50jährige Bestehen des Bistums Essen später erneut aufgegriffen.

Gesprochen wurde dann über den Sonntag und die Sonntagskultur, über das Wunder, das schon Goethe als des Glaubens „liebstes Kind“ bezeichnet hat. Zusammen mit Jugendlichen der Gemeinde wurde gefragt: Wo lernen Kinder noch beten: ohne Gott, ohne Kirche, ohne Eltern? Was die Jugendlichen aus den Schulen berichteten, hat manchem Teilnehmer die Sprache verschlagen. Im Blick auf die Ökumene wurde geprüft, ob Maria immer noch die Konfessionen trennt. Zweimal war das so leichthin gebrauchte Stichwort „Gerechtigkeit“ thematisiert. Einmal ging es um die Gerechtigkeit unter Menschen, sodann um Gottes Gerechtigkeit. Das Thema blieb insofern unabgeschlossen, als für Jahrhunderte die Frage der Rechtfertigung die Kirchen getrennt hat.

Ende 2008 schaute bei seinem Besuch in Essen P. Provinzial Stefan Dartmann in die Themenliste und fragte, ob wir denn keine „Unglaubensgespräche“ machten. So begann das Jahr 2009 mit der Frage: Warum und was kann ich nicht glauben? Viele klagen über die Unverständlichkeit der Predigten. Der Chefredakteur der Essener Kirchenzeitung RUHRWORT steht hier vor eigenen Aufgaben in seiner Zeitung und kam zur Diskussion. Wir sprechen die Sätze des Credo – doch wer versteht da noch alle Aussagen? 50 Jahre nach Gründung des Bistums Essen, über 40 Jahre  nach dem letzten Konzil, aber auch im Rückblick auf den Anfang des 20. Jahrhunderts, als 1909 der so genannte Modernismus in Rom verurteilt wurde, spüren wache Christen, dass die Botschaft des Evangeliums oft in einer Sprache verkündet wird, die viele Menschen heute nicht mehr verstehen.

Der ägyptische Jesuit Henri Boulad schreibt in seinem Buch Sturm und Sonne. Christus als Stein des Anstoßes in Europa (O. Müller: Salzburg 2010): „Es schmerzt zu erleben, dass für immer mehr Menschen die bisherige Kirchensprache eigentlich tot ist, zumindest ist sie eine weltfremde Fachsprache, die nichts als langweilt. Also bleibt man fern. Ich verstehe es gut, bin aber machtlos. Die alte Formelsprache mit ihrem festen Dogmenanspruch hat mit den heutigen Existenzfragen rein gar nichts mehr zu tun. O, wie geschickt ist Jesus mit seinen Zeitgenossen umgegangen!“

Dabei sind wir Christen nicht mehr allein. Die Zahl gläubiger Muslime nimmt zu, und die Zahl der christlichen Verkündiger nimmt ab – daran ändert in unseren Breiten leider auch nicht das von Papst Benedikt für 2009 auf 2010 ausgerufene Priesterjahr. Müsste die Kirche nicht nach neuen Wegen suchen und offener sein für die Begabungen aller Christusgläubigen, auch der der Laien? Leider wird in der verbreiteten Kirchenkritik in den Medien, aber auch in der Unzufriedenheit und Resignation vieler Gläubigen weithin übersehen, dass auch heute Menschen durchaus in der Kirche ihren Weg suchen und finden. Der Abend mit jüngeren Schwestern und Wegsuchenden der Klostergemeinschaft BMV in Essen war ein Signal.

Die kurzen Hinweise zeigen: In den Glaubensgesprächen geht es um die Frage: Was wissen wir eigentlich noch, und was sollten wir vielleicht wissen?  Was erwarten die Menschen, und was verheißt der Glaube? Die konkrete Liste der Fragen ist lang. Wir gehen bewusst nicht systematisch vor, weil wir Platz haben wollen für aktuelle Fragen. Es treffen sich ja nicht Fachleute, sondern Menschen, die in ihrem Alltag den Glauben leben wollen. Mündige Christen aber müssen mitreden können, sonst haltgen sie ihren Mund. Viel zu oft schweigen Christen in der  Öffentlichkeit.

Das Jahr 2010 ist ein aufregendes Jahr. Die Diskussion um die „Missbrauchsfälle“ hat viele aufgeschreckt, und noch lähmt sie die Verkündigung der Frohen Botschaft. Jesuiten sehen sich mit anderen zur Rechenschaft gezogen. Bischöfe und Bischöfinnen treten aus unterschiedlichen Gründen zurück. Die Glaubensgespräche an St. Ignatius sind an diesen Fragen nicht vorbeigegangen. Aus einem Gespräch „Kreuze weg, Gott weg – was soll noch weg?“ wurde kurzfristig ein Abend zum Thema „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“ (Joh 87) Von Missbräuchen und Misshandlungen“: Denn es war auch nicht hinzunehmen, dass alles in einen Topf geworfen und völlig undifferenziert über Dinge gesprochen wird, die sich leider zu oft und in zu großer Verschwiegenheit abgespielt haben.

Es ist aber dann sinnvoll, immer wieder über die eigenen engen Grenzen hinauszuschauen. Vor 400 Jahren starb in Peking der große italienishe Jesuit Matteo Ricci. Das wurde zur Einladung, nach China zu schauen und einen jungen chinesischen Priester nach seinen Erwartungen an die Kirche zu fragen. Kirche lebt nicht nur in Europa. Sie ringt auch in anderen Teilen der Welt um neue Wege, oft auch um ihre Existenz.

Mit den Gesprächen an St. Ignatius setzt die Essener Jesuitenkommunität eine Tradition fort, die seit Jahrzehnten besteht. Es geht darum, die Tradition der Kirche mit den Fragen der Zeit zu verbinden. Im Sinne des jetzigen Papstes gehören Glaube und Vernunft zusammen. Über den Fragen neuer Kirchenstrukturen und die Abarbeitung von Fehlentwicklungen, die nicht zu leugnen sind, darf es nicht dahin kommen, dass die grundlegenden Aufgaben, die der Kirche in ihrer Aussendung durch Jesus Christus aufgegeben sind, vernachlässigt werden.

                                                                                               

Hans Waldenfels SJ 
 

P. Hans Waldenfels, em. Professor für Fundamentaltheologie. Theologie der Religionen und Religionsphilosophie an der Universität Bonn, Leiter der Glaubensgespräche an St. Ignatius, Stellv. Vorstzender und Geistl. Assistent des KAVD Ortsvereinigung Essen und Umgebung

http://www.hans-waldenfels.de/

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Das Glaubensgespräch an St. Ignatius fällt im Januar 2012 aus.

Das Glaubensgespräch an St. Ignatius fällt im Januar aus. Dafür laden wir sehr herzlich in der Ökumenischen Gebetswoche zur Veranstaltung in der evangelischen Erlöserkirche ein, die gemeinsam von der evangelischen Erlösergemeinde in Essen-Holsterhausen, den katholischen Gemeinden St. Ignatius und Mariä Empfängnis sowie dem Katholischen Akademikerverband Deutschlands Ortsvereinigung Essen und Umgebung und der Evangelischen Akademikerschaft in Deutschland, Landesverband Rheinland veranstaltet wird.


Die genaueren Einzelheiten finden Sie in der folgenden Einladung:

Herzliche Einladung zu einem
ökumenischen Abend

am Mittwoch, dem 25. Januar 2012 in der Erlöserkirche, Essen,Friedrichstr.1

Über den Vorrang des Hörens vor dem Reden“

18:00 Uhr Ökumenischer Gottesdienst

Predigt: Pater Christian Berndt (St. Ignatius)

19:15 Uhr Vortrag und Gespräch:

Zu einem geschwisterlichen Umgang miteinander im Dialog“


mit Herrn Professor DDr. Hans Waldenfels SJ

Es laden ein:

- die Evangelische Erlöserkirchengemeinde Essen –Holsterhausen
- die katholischen Nachbargemeinden St. Maria Empfängnis und St. Ignatius
- der Katholische Akademikerverband Deutschlands, Ortsverband Essen und Umgebung
- die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland, Landesverband Rheinland


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Stimmen zum Dialogprozess

Download im PDF Format

Mit den Dialogen nach innen und außen hat das Zweite Vatikanische Konzil Entwicklungen angestoßen, die uns fordern, die wir aber nicht programmieren können. Das Konzil hat uns für die gegenwärtige geschichtliche Stunde von langsam, aber unaufhaltsam vergehenden volkskirchlichen Formen und des Aufbruchs zu einer neuen Art des Kircheseins die Richtung gewiesen. Es hat uns ein Licht auf den Weg gegeben, das nicht wie ein Flutlicht eine ganze Pis-te in die Zukunft ausleuchtet; es hat uns gleichsam eine Laterne in die Hand gegeben, die wie jede Laterne nur leuchtet in dem Maß, wie wir selbst voran-schreiten. Sie gibt Licht jeweils für den nächsten Schritt, dem dann andere Schritte folgen können und folgen müssen.
(Walter Kardinal Kasper, Katholische Kirche. Wesen, Wirklichkeit, Sendung. Herder: Freiburg 2011, S. 487)
Seit Januar 2008 trifft sich eine Gruppe von 20-25 Männern und Frauen an jedem 2. Donnerstag im Monat zum Glaubensgespräch an St.Ignatius. Seit Anfang 2011 findet am 2. Mittwoch des Monats in der Siechenhauskapelle in Essen-Rüttenscheid eine vom Katholischen Akademikerverband Ortsverei-nigung Essen und Umgebung veranstaltete hl. Messe statt, an die sich eine Gesprächsrunde an-schließt. Beide Kreise wollen sich in den begonnenen Dialogprozess der deutschen Kirche einschal-ten.
Im Sinne des Wortes von Kardinal Kasper fühlen sich die Teilnehmer aufgefordert, sich zu äußern, ohne dabei „programmiert“ zu sein. Die Resonanz auf den ersten Aufruf zur Äußerung war so erstaun-lich stark, dass der Entschluss sich aufdrängt, die eingegangenen Voten einem größeren Kreis be-kannt zu machen. Als Geistlicher Assistent des KAVD OV Essen und Umgebung und Leiter des Ge-sprächskreises an St. Ignatius habe ich die Texte gesammelt und um einige Leitmotive gruppiert. Die Texte sind weithin so wiedergegeben, wie sie eingegangen sind. Ich möchte sie meinerseits weder kommentieren noch bewerten. Überraschend sind aber die Vielfalt der Voten und ihre Differenziertheit, selbst da, wo sie kritisch sind; wohltuend ist die Konkretheit, wo es um Anregungen geht.
Die Textsammlung erhebt keinen Anspruch, weder den auf Vollständigkeit – das geht gar nicht; die Äußerungen rufen nach mehr - noch auf Endgültigkeit. Sie stellt also auch nicht die gemeinsame Meinung aller an den Gesprächen Beteiligten dar. Die Texte sind lediglich ein Versuch, sich einzumi-schen und auch andere zu ermutigen, es gleichfalls zu tun. Der Geist Gottes wirkt auch unter kleinen Geistern, und Gottes Geist ist nicht unwirksam.
Zur leichteren Weiterverwendung sind die verschiedenen Aussagen in ein Dezimalsystem eingefügt.

8. September 2011
Prof. DDr. Hans Waldenfels SJ



1. Umgang miteinander

1.1.Ich denke, dass für einen ehrlichen Dialog keinerlei Vorurteile gegenüber dem Dialogpartner bestehen dürfen, z.B. Zweifel an seiner Aufrichtigkeit, Mangel an Glauben, an Loyalität zur Kirche; dass beim Gegenüber ebenfalls als Grund und Sinn aller Reformen die Vertiefung und Erneuerung des Glaubens vorausgesetzt werden muss; Besserwisserei und Überheblichkeit , unüberlegte Reaktionen, vor allem, wenn sie auch noch weit übers Ziel hinausschießen, sind für einen ehrlichen Dialog zerstörend, wie sie leider auch von einigen Kardinälen als Reaktion auf den Brief der Politiker und das Memorandum der Theologen zu hören bzw. zu lesen wa-ren.
Ich wünsche mir einen Dialog, bei dem sich alle Beteiligten zuerst darum bemühen, dem an-deren wirklich zuzuhören. Das ist nicht leicht, aber das müssen wir lernen, lernen wollen.

1.2. (Im Anschluss an eine Interview-Äußerung von Bischof Overbeck zur Zölibatsdiskussion s.u. Priester) Dann müsste man die Ehrlichkeit besitzen zu sagen, dass das ein Tabu-Thema ist. Zu befürchten ist, dass das bei anderen Themen ähnlich läuft. In anderen Bereichen (außer-kirchlichen bzw. internen) erlebte ich schon, dass man zu einer Diskussion über eine bestimm-te Sache eingeladen wurde, dass die Teilnehmer interessiert und ernsthaft die Frage bespra-chen und Vorschläge machten, um am Ende zu erfahren, dass die Entscheidung schon getrof-fen war und die ‚Volksmeinung‘ überhaupt nicht interessierte.
Ich misstraue dem so genannten Dialog, obwohl ich ihn für dringend notwendig erachte. Ist man
(ich meine damit die verschie-denen ‚Schichten‘ innerhalb der Kirche) überhaupt dialogfähig?
Sicherlich gibt es Dinge, die nicht zur Disposition stehen. Aber wenn das Ergebnis unverrück-bar festliegt, bedeutet das für mich, dass man den Gesprächspartner und seine Argumente nicht ernst nimmt und nicht gewillt ist, sie zu überdenken. Dann ist es ein Ping-Pong-Spiel (‚die Argumente austauschen‘). Wenn der Bischof von ‚Bestrittenheit in der öffentlichen Mei-nung‘ spricht, hört sich das für mich nach Boulevard-Presse u.ä. an. Doch habe ich den Ein-druck, dass das Interview etwas mehr meinte. Und wer ist Kirche? Wer solche Fragen stellt, anscheinend nicht.
Ich meine, dass es keine Tabu-Themen geben sollte. Selbstverständlich geht es nicht darum, alles immer und überall breitzutreten. Dort, wo eine klare Entscheidung vorliegt, muss sie be-gründet sein und die Gründe darlegbar. Deren Einsichtigkeit kann einen Disput erfordern. Ich nehme an, dass der Bischof das evtl. gemeint hat.

1.3. Ein Dialog muss zu Ergebnissen führen; andernfalls frustriert er und vertieft die Resignation.

1.4. Wenn bestimmte Themen tabu sind, ist das Angebot eines Dialogs in meinen Augen unred-lich.

1.5. Dialogfähigkeit braucht geschulte Teilnehmer. Nichts schadet einer Debatte so sehr wie die Verhärtung der Argumente in Ideologien. Demagogische Klischees, oberflächliche Geschwät-zigkeit und Nichtssagendes können eine Debatte schnell zum Erliegen bringen. Unsere Ab-sicht sollte es sein, nicht nur Meinungen zu sammeln, sondern redlich und sachlich die Fehler im System der Kirche zu analysieren und dann konkret nach vorne zu schauen. Es bedarf einmal der Sammlung von Meinungen, solcher, die den althergebrachten Zustand zurückwün-schen – Beharrungsdenkern, notorischen Netzbeschmutzern, Nörglern, Besserwissern, kir-cheninternen Kritikern -, sodann der experimentierfreudigen Zukunftsdenker, die sich leider schnell als Gesprächspartner der kritisierten Amtskirche disqualifizieren. Ursache der heutigen Misere sind die verkrusteten Strukturen der Verwaltungskirche mit ihrer bloßen Beharrungs-kraft, ihrer sturen Verweigerung eines Diskurses mit der Welt, ihrer Politik der Reserviertheit, die ihre internen Kritiker immer wieder zu Provokationen anstachelt. Es gibt zu viel Verschlos-sene, die die Zeit am liebsten um fünfzig Jahre zurückdrehen würden, und auf der anderen Seite die Verdrossenen, die rasche Reformen fordern, neue Strukturen und ein Überdenken überholter Regeln wie das heutige Priesterbild. Das alles ist Kirche. Beide Gruppen sind ihren Ideologien verhaftet. Was sie eint, ist eine gewisse Unzufriedenheit mit der Situation. Wo aber sind die neuen Denkansätze, Erkenntnisse oder Lösungsvorschläge? Beide Seiten werfen sich vor, keine theologischen Argumente zu liefern, was dem Außenstehenden nur die Be-grenztheit des je eigenen Standpunkts vor Augen führt. Hat nicht der Jesuitenprovinzial Kiechle Recht, wenn er meint, dass die Institutionen und ihre Mächtigen sich selbst belügen, wenn sie nur auf uralten Traditionen beharren? Brauchen wir am Ende schon wieder ein neu-es Konzil?

2. Kirchenerfahrung

2.1.Ich wünsche mir eine Kirche (Amtskirche), in der die Liebe das oberste Prinzip ist, nicht das Gesetz. Leider habe ich – neben viel Liebe, die ich erfahren durfte – auch sehr viel Lieb-losigkeit, Hartherzigkeit von Vertretern der Amtskirche bei Menschen meines näheren Umfel-des erlebt, die bei einigen zum Austritt aus der Kirche geführt haben, nicht das Geld. Ich weiss, dass alle Menschen Fehler und Schwächen haben, Sünder sind. Aber wenn unser Le-ben mehr von der Liebe als von der Macht und dem Gesetz bestimmt ist, kann viel an Lieblo-sigkeit vermieden werden. Liebe bedeutet nicht, alles gut finden, aber auf die Art und Weise kommt es an, etwas richtig zu stellen oder dem anderen zu helfen, Unrecht einzusehen und wieder gut zu machen. Es kommt darauf an, die Motivation des Handelns anderer zu erspü-ren, bevor ich ihn des Unrechts bezichtige. Ganz schlimm finde ich, auf Beschuldigungen mit Disziplinarmassnahmen zu reagieren, ohne den Beschuldigten selbst in Liebe anzuhören und dann erst zu urteilen.
Ich kann zu allen Wünschen konkrete Beispiele anführen, die ich in meinem persönlichen Um-feld miterlebt habe.
Also noch einmal: oberste Richtschnur in allem die Liebe!

2.2. Ich wünsche mir eine pfingstlichere Kirche, die dem Geist Gottes mehr Raum gibt, die cou-ragierter ist, risikofreudiger, die wohl durchdachten Planungen Möglichkeiten zum Erproben gibt, Vertrauensvorschuss wagt, dass solche wohlgemeinten Reformversuche vom Geist Got-tes geführt sind. Die Angst und das starre Festhalten an den zur Zeit gültigen Gesetzesvor-schriften wirkt lähmend auf alle, die sich in der Kirche engagieren wollen. Die Angst ist der schlechteste Ratgeber in unserer innerkirchlichen Situation.
Zum Wagen von Veränderungen ist Offenheit gegenüber geschichtlichen Entwicklungen not-wendig. Vieles war zeitbedingt, ist aus momentanen Zwängen erwachsen. Das soll nicht hei-ßen, dass solche Veränderungen in geschichtlichen Prozessen nicht gut gewesen seien, aber vielleicht für eine bestimmte Zeit vorteilhafter. Die Veränderungen auf Grund geschichtlicher Entwicklungen zeigen, dass Veränderungen möglich sind, ohne der Kirche Schaden zuzufü-gen. Die seit Jahrzehnten sich anbahnenden Veränderungen in der Einstellung zur Amtskir-che, zur Lehre der Kirche, der schleichende Glaubensverlust, die wachsende Orientierungslo-sigkeit, Eigenentscheidungen in Gewissensfragen haben sich heute zu einer so komplexen Si-tuation von Reformstau entwickelt, dass man kaum einzelne Themen isoliert behandeln kann. Beim Dialog zu einem Thema ist es erforderlich, die anderen Themen stets mit im Blick zu be-halten und keine Tabus festzulegen.

2.3. Eine bedeutende Entwicklung in der Kirche, der bei allen Gesprächen Rechnung getragen
werden muss, ist die zum mündigen Christen. Diese Entwicklung hat mein eigenes Leben
stark geprägt – zum Positiven hin! Aber es war zeitweise ein schmerzlicher Prozess.

2.4. Ich wünsche mir eine Kirche, die zwar nicht dem Zeitgeist nacheifert, aber in und mit ihrer
(unserer) Zeit Kirche ist. Das heißt, dass sie sich bemüht, gemeinschaftlich und geschwister- lich Antworten auf die drängenden pastoralen Fragen im Hier und Jetzt zu finden.

3. Liturgie

3.1. Die Tendenz aus Rom und der Traditionalisten zur Erweiterung der Tridentinischen Messe dürfte nicht zur Konkurrenz gegenüber der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanum werden. Ich denke, dass die Vielfalt von Liturgie eine große Bereicherung der Gebetspraxis und auch der Euchariste darstellt.

3.2. Feiern wir die Liturgie – die hl. Messe – wieder in Ehrfurcht vor dem HEILIGEN, dem wir be-gegnen wollen – in Wort und Sakrament! Verzichten wir auf den gemachten Firlefanz, der nur die Eitelkeit fördert!

3.3. Viele Priester meinen, sie könnten ein besseres Deutsch, als im Hochgebet ausgedrückt, wieso? Ein Priester gebraucht z.B. pausenlos den Infinitiv, so dass ich ihn einmal fragte, ob er ihn so liebe. Machen diese Menschen sich nicht zum Maßstab, nehmen sie sich selbst so wichtig? Dabei sind sie Diener des Höchsten. ER soll im Mittelpunkt aller Bemühungen ste-hen. Es wird so viel getan, aber oft geistlos und mehr um sich zu profilieren.

3.4. Speziell zur Eucharistie möchte ich anmerken: Ich wünsche mir eine weniger textbeladene Eucharistiefeier, in der das einzelne Wort mehr Gewicht bekommt, einmal durch geschulteres Vortragen oder Vorbeten, zum anderen, um mehr Freiräume zu schaffen für Gedankenpau-sen, z.B. in den verschiedenen Hochgebeten. Ich verweise nur auf wenige Beispiele:
+ Im dritten Hochgebet heißt es "Dieses Opfer unserer Versöhnung bringe der ganzen Welt Frieden und Heil". Durch das sofortige Weiterbeten kann man sich der Tragweite dieser Bitte überhaupt nicht bewusst werden. Eine Pause, ein Innehalten kann uns deutlich machen, wo-rum wir da eigentlich bitten.
+ Das gleiche gilt für das Vaterunser. Wenn es nicht gesungen wird, wird es allermeist viel zu schnell gebetet: dafür aber sind die einzelnen Bitten viel zu inhaltsreich.
+ Dasselbe empfinde ich beim "Herr, ich bin nicht würdig, .... aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund".

3.5. Jedes Gebet, das im Gottesdienst gesprochen wird, ist für sich genommen sehr schön, aber die Fülle empfinde ich als ungut, um mich auf Wesentliches konzentrieren zu können.

3.6. Beim gemeinsamen Beten sollte auf gemeinsamesTempo geachtet werden. Wenige Unge-duldige können durch Vorauseilen vielen anderen die Freude am Gottesdienst vergällen.

3.7. Ich vermisse in den Texten der Eucharistiefeier, vor allem auch in den wechselnden Gebe-ten, den Überhang an Freude. In der Regel sprechen sie die Bitten um Erbarmen Gottes aus, seltener kommt die Freude über unser Erlöstsein, die Freude des Glaubens zum Ausdruck; vergleiche viele Gebete nach der heiligen Kommunion. Gerade da müsste uns die Fülle der Freude und des Dankes bewegen.

3.8. Junge Menschen brauchen das Gespür für Freude in der Messe. Ich habe schon öfters von Jugendlichen und Heranwachsenden diese Klage bezüglich mangelnder Freude im Gottes-dienst gehört, wodurch sie ihn als langweilig empfinden. Schon das zeigt, wie notwendig Viel-fältigkeit in der Liturgie erforderlich ist.

3.9. Noch etwas ist mir seit langem aufgefallen: Wir beten viel zu viel für uns und die innerkirchli-chen Anliegen, im Besonderen bei den Gebeten für die Verstorbenen. Müssten wir nicht min-destens genauso wenn nicht sogar vordringlich für die Verstorbenen beten, die nach kirchli-cher Auffassung nicht in seiner Gnade aus dieser Welt geschieden sind? Gott hat uns versi-chert, alle Menschen retten zu wollen. Ist es dann nicht unsere Aufgabe, besonders für alle die zu beten, die Gott nicht kennen oder sich von ihm abgewendet haben? Ich denke, die Zeit des Heilsegoismus ("Rette deine Seele") ist überwunden. Nur in den liturgischen Texten für mein Empfinden noch nicht.

3.10. In den Gemeinden müssen pastorale Angebote wie Stundengebet oder Taize-Gebet neu be-lebt werden.

3.11. Ich möchte in diesem Zusammenhang nicht noch das Thema der eucharistischen Gast-freundschaften behandeln. Doch daran zu erinnern, zeigt die Vielfalt und Komplexität der auf-zugreifenden Fragen und Probleme.

4. Verkündigung

4.1. Lange war die Predigt kein notwendiger Teil der Eucharistiefeier und sinnigerweise hätte da-
mals auch nicht die Integration in die von einem Priester geleitete Eucharistiefeier verhindert,
dass Laien, auch Frauen gepredigt hätten.

4.2. Wie können wir das Hineinkommen in eine heilvolle Situation durch Gottes rettendes Handeln an uns neu feiern? Wie öffnen wir sicheren Raum, damit Frauen und Männer die Verwicklun-gen ihres Lebens ansehen und aussprechen können? Welche Sprache erreicht Jugendliche so, dass etwas von ihrem Leben „im Lichte der Verheißung“ erstrahlt? Dringend scheint es notwendig, dieses Grundthema unseres christlichen Glaubens auf der innerkirchlichen Bühne wieder innovativ zur Sprache zu bringen, auf der Fragen nach Struktur, Theorien über Ge-meindekooperationen und Organisationsmanagement scheinbar alles andere in den Hinter-grund gedrängt haben. (Aus einer Sonderausgabe der Triererschen Kirchenzeitung „Paulinus“)

4.3. Wir brauchen eine stärkere Verkündigung in den Gemeinden mit einer neuen Rede von Gott. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse, die den Menschen heute selbstverständlich sind, soll-ten in die Rede von Gott aufgenommen werden. Das bisherige Argument der Abwehr, die Kirche dürfe nicht dem Zeitgeist folgen, sollte positiv gewertet werden. Darauf warten die Menschen. Dazu bieten jede Predigt, die vielen liturgischen Anlässe, gerade der Tauffeiern bis zu den Begräbnissen große Möglichkeiten, um so mehr, als dabei viele, die bereits nicht mehr in die Kirche kommen, erreicht werden und durch den besonderen Anlass offen sind.

4.4. Akademisch gebildete Laien, „gebildete Singles“ müssten motiviert und geschult werden, die Botschaft Jesu, wo immer sie können, zu verkünden, auch unkonventionell.

4.5. Wir haben eine Gotteskrise. Die Rede von Gott ist oberflächlich geworden und erreicht des-halb die Menschen nicht mehr (Zulehner).

4.6. Christus ist für viele Mitmenschen keine Leitfigur oder kein Vorbild mehr, er wird eher belä-chelt und verspöttelt; die Verkündigung muss neu bedacht werden. Die Kirche muss ihren vom Absolutismus geprägten Herrschaftsanspruch, den sie mit höfischem Zeremoniell dar-stellt, am Leben Jesu überprüfen.

4.7. Die Gedanken des II. Vatikanums müssen neu entdeckt und als Leitlinien für den weiteren Weg der Kirche heute mit herangezogen werden. Katechesen und Vorträge über alle Konzils-dokumente sind 50 Jahre nach Beendigung des Konzils dringend erforderlich.

4.8. Gehen wir das Credo durch, begegnen uns unvergängliche Wahrheiten – auch für mich? Lernen wir doch einfach wieder die Zehn Gebote – lesen wir sie nicht nur, sondern handeln wir im Alltag danach! Täten wir es, - die Welt sähe anders aus.

4.9. Jede Predigt sollte die aktuellen Schrifttexte auslegen und dabei aktuell unserenGlauben er-läutern. Blumige, langatmige und nicht nachvollziehbare Redeergüsse sollten unterbleiben.

5. Priester

5.1. Rückblick: Nach dem Krieg hatten wir in Deutschland eine Priesterschwemme. Der Beruf des
Priesters hatte hohes Ansehen, garantierte Versorgungssicherheit, Geborgenheit im Kreise der Mitbrüder, in einem Pfarrhaus (Mütter, Schwester, Haushälterin u.ä.) oder einer klösterli-chen Gemeinschaft. Für viele war dies der einzige Weg, eine höhere Schule zu besuchen und zu studieren. Manche sind nach dem Abitur abgesprungen, viele sind geblieben.
Autoritäten waren damals noch Vorbilder. Man eiferte ihnen nach. Ideale standen noch hoch im Kurs.
Leider missbrauchten manche Vorgesetzte auch damals schon ihre Macht durch Druck auf die Arbeitsmoral, den Eingriff auf Privateigentum, die zu hohe Wertschätzung von Nebensächlich-keiten, manche sinnlose Vorschrift.
Der rigorose Eingriff in die Sphäre der persönlichen Entscheidungen förderte die Unmündig-keit, besonders in manchen Orden, und trieb viele aus den Berufungen. Andere ordneten sich unter und blieben in den Ordensgemeinschaften und/ oder wurden Priester. Stefan Andres er-zählt in seinem Buch „Wir sind Utopia“, wie er zwar die Strenge und Enge und die Bevormun-dung vorübergehend als durchaus erholsame Selbstfindung empfand, dann aber wegen des Verzichts auf Eigenständigkeit , Eigentum und Ehe diese Enge nicht mehr ertrug. Ausführlich schreibt er humorvoll über die Demutsbekundungen gegenüber den Vorgesetzten, welche oft skurrile Formen annahmen (Küssen der Hände und Füße, Knien auf dem Boden, nach jeder Briefmarke fragen müssen wegen des Armutsgelübdes u.ä.).
Oft wurden Begabungen zu wenig gefördert, geistige Anforderungen oft vernachlässigt. Die hierarchische Ordnung wurde häufig überbetont.
In der Zeit der 68er schlug das Pendel um. Vor allem eine entfesselte Sexualität trat an die Stelle eines engstirnigen Denkens. In dieser Zeit wurden auch viele Priester radikal in die Freiheit und Selbstständigkeit, in die Eigenverantwortung und die Verantwortung für vielseiti-ge Verwaltungsakte entlassen, ohne auf all das vorbereitet zu sein.
Die Qualität des Seelsorgers im Umgang mit den Mitmenschen bekam damals schon ihre ers-ten Risse. Dennoch gab es Geistliche, die sich selbstbewusst den neuen Strukturen anpass-ten, ohne in andere erneute Abhängigkeiten zu geraten. Dies gelang aber nicht allen. Die Missbrauchsfälle müssten auch unter diesem Aspekt beurteilt werden.
Ein neues Priesterbild muss in Bezug auf die Ausbildung, Weiterbildung und Einbindung
in das weltliche Leben dringend erstellt werden.

5.2. Das Wichtigste scheint mir zu sein, den Gläubigen das Recht auf die Eucharistie nicht zu er-schweren oder sogar zu verweigern durch starres Festhalten am Pflichtzölibat. In der Urkirche und in den von Paulus gegründeten Gemeinden beteten die Gläubigen gemeinsam im Tempel, oder in den Synagogen und sonstigen Gebetsplätzen und "brachen in den Häusern das Brot", heißt es im Neuen Testament. Durch das Zusammenlegen der Gemeinden wird vielen Men-schen, vor allem Alten und Behinderten aber auch Familien mit kleinen Kindern die Teilnahme an der Eucharistie sehr erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Zudem ist dies kein deutsches Problem. In manchen anderen Ländern der Welt, z.B. in Südamerika, Afrika, klagen Bischöfe darüber, dass viel zu selten mit den Gemeinden Eucharistie gefeiert werden kann, und wünschen schon lange eine mögliche Lösung durch viri probati.

5.3. Wie kann Kardinal Meisner behaupten (in einem Artikel in der Kölner Kirchenzeitung im Janu-ar) "Ohne Zölibat keine Priester, ohne Priester keine Eucharistie, ohne Eucharistie keine Kir-che"! Der erste Teil widerspricht allen Gegebenheiten in den orthodoxen Kirchen, den mit Rom unierten Ostkirchen, den inzwischen schon häufigeren Ausnahmen in der lateinischen Kirche. Der zweiteTeil für sich allein betrachtet stimmt. Die dritte Aussage finde ich grotesk, vielleicht sogar zynisch, wenn ich an all den Einsatz, das Engagement der Katecheten weltweit denke, ohne die es keine lebendige Kirche gäbe in all den Teilen der Welt, in denen ein Pries-ter die Gemeinden nur einmal im Jahr, einmal im Halbjahr aufsuchen kann.

5.4. Die notwendigen Veränderungen in der Kirche können am Thema Zölibat nicht vorbeigehen. Die geschichtlichen Entwicklungen zeigen ebenso wie die Traditionen in anderen Teilen der Kirche Jesu Christi, dass der Zölibat nicht Pflichtvoraussetzung für die Priesterweihe sein muss. Außerdem empfinden viele Gläubige den Widerspruch bei diesem Thema zu den inzwi-schen doch vielen Ausnahmen in der römisch-lateinischen Kirche. Kein ernsthafter katholi-scher Christ leugnet das hohe Gut des Zölibats, aber ein Zwang hierzu kann nicht im Sinne Jesu Christi sein. Das Neue Testament berichtet von anderer Praxis, und die Kirchengeschich-te zeigt, dass der Pflichtzölibat erst nach dem endgültigen Schisma mit den orthodoxen Kir-chen verbindlich eingeführt worden ist.

5.5. Wie eng das Thema mit dem der Sexualität verbunden ist, zeigt auch heute noch die Einstel-lung vor allem älterer Menschen, die sich nicht vorstellen können – wollen -, dass ein verheira-teter Priester nach vollzogener ehelicher Liebe einer Eucharistiefeier vorsteht. Welche mittelal-terlichen Auffassungen werden da spürbar zu Ehe und Geschlechtlichkeit. Die Ehe ist ein Sak-rament, in dem Christus ebenso wirkt, wie in jedem Sakrament, auf je eigene Weise. Wie not-wendig ist es, dem hohen Gut einer in liebender Treue gelebten Ehe ganz andere Beachtung und Würdigung zu schenken.

5.6. Ich kenne eine ganze Reihe älterer Priester, die aus ihrer langen Erfahrung sehr offen gegen-über all diesen Fragen sind und Öffnungen zu Veränderungen als dringend erforderlich anse-hen.

5.7. Angesprochen auf Zölibat und Frauenpriestertum unter Hinweis auf das Papier der Politiker sagte Bischof Overbeck: „Diese Fragen sind lehramtlich von einer solchen Gewichtigkeit und auch entsprechend entschieden worden, dass wir als Kirche - da bin ich sehr klar - die nicht zur Disposition stellen werden. Das habe ich auch schon an anderen Orten mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht. Aber ich stelle mich ihrer Bestrittenheit in der öffentlichen Meinung durch einen Disput, in dem wir die Argumente austauschen. Aber das heißt nicht, dass wir am Ende zu einem anderen Ergebnis als Kirche kämen.“
Dass das so ist, bezweifle ich nicht, …Doch was soll dann ein Disput?

5.8. Alle Kirchenangestellten und Geistlichen sollen an regelmäßigen verpflichtenden Weiterbildun-gen und Exerzitien teilnehmen, wie in der Wirtschaft.

5.9. Pfarrer müssen viel stärker von ihren Verwaltungsaufgaben entpflichtet werden. Sie sollten die Rolle des Seelsorgers übernehmen.

5.10. In der Benediktusregel Nr. 60. 62 und 63 wird ein auch heute noch beachtenswertes Priesterbild gezeichnet. Der Abt stellt die Bitte, dass ihm ein Priester oder Diakon geweiht wird (Nr. 62). Doch Priester haben keine besonderen Rechte, keinen besonderen Rang, sondern unterliegen der Regel wie alle Mönche.

5.10. Viri probati sind ein wertvolles Kapital in der Kirche. Es sollte genutzt werden.

5.11. Es wäre fatal, wenn der Eindruck sich verfestigen und bestätigen würde, dass jemand Pries-
ter um eines sicheren und geruhsamen Jobs willen wird. Für mich legt jeder Christ Zeugnis
ab. Er sollte fromm, friedfertig, pünktlich und ehrlich sein.

5.12. Priester sollten Seelsorger sein und den ihnen Anvertrauten dienen. Jesus wusch seinen
Jüngern die Füße. So soll auch mein Priester mein Seelsorger sein, mir dienlich sein und nicht über mir stehen, sondern auf Augenhöhe mit mir kommunizieren. Dies gilt in noch hö-herem Maße, je weiter es in der Hierarchie hinauf geht, bis ganz oben hin. Verlautbarungen sollten freundlich, einleuchtend und gewinnend sein. Befehlen lässt sich das Kirchenvolk nichts mehr!

5.13. Neben den zu diskutierenden neuen Formen des Weiheamtes stellt sich die Frage nach
dem heutigen Priesterbild und in der Folge nach den Konsequenzen im Hinblick auf die Er-
wartungen an die Priester und die Priesterausbildung.
Vom Pastoraltheologen Paul Zulehner stammt die Aussage: „Eine Kirche, die in Jesu Men-
schenfreundlichkeit an der Seite der „kleinen Leute“ bleiben will,..., wird sich Gedanken ma-
chen, wie sie diese priesterliche Menschennähe erhalten oder wieder stärken kann. Nur
wenn sie Wurzeln tief im Leben der Menschen hat, wird morgen bei uns die Kirche Gottes
lebendig bleiben können. Denn auch Gott ist ein menschennaher Gott.“
Will die Kirche im Leben der Menschen wurzeln, muss sie das Leben der Menschen, ihre
Ängste und Nöte, ihre Belastungen, aber auch ihre Sehnsüchte kennen.

5.14. Seelsorge kann nur in größter Nähe zu den Menschen stattfinden. Sie vollzieht sich nicht in
der Theorie und in der Organisation einer effizienten Verwaltung, sondern in der Teilhabe
am Alltagsleben der Menschen, in der Begleitung, in Mit-Menschlichkeit.
Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen:
1. Der Priester muss die Möglichkeit haben, sich intensiver als bisher der Seelsorge
zu widmen. Verwaltungs- und Managementaufgaben müssen in stärkerem Maße den sog. Laien anvertraut werden.
2. Der Priesteramtskandidat muss schon in seiner Ausbildung mit der gewandelten
Lebenssituation der Menschen in der heutigen Zeit vertraut gemacht werden. Dies gilt nicht zuletzt für die heutige Arbeitswelt, die immer intensiver in das Leben der Menschen eingreift und sie zahlreichen, in diesem Umfang früher nicht ge- kannten Belastungen aussetzt (ständige Erreichbarkeit und Abrufbarkeit, „Leben im Stand-By-Modus“, Konkurrenzdruck, ständige Überforderung, etc.).
In dieser Situation erscheint es unabdingbar, dass ein Priester in seiner Aufgabe
als Seelsorger einen stärkeren Einblick in diesen Aspekt der Lebenswirklichkeit
gewinnt. Praktika in der Wirtschaft könnten im Rahmen der Priesterausbildung
oder auch als Fortbildungsmaßnahme diesen Einblick ermöglichen bzw. intensi-vieren. Es muss nicht gleich eine vollständige zweite Berufsausbildung sein, die den Priester in dieser Hinsicht mit dem notwendigen „Rüstzeug“ versieht.
Umgekehrt müssten Priesteramtskandidaten, die aus dem Berufsleben kommen und sich berufen fühlen, der Zugang wesentlich erleichtert werden.

6. Priester und Laien

6.2. Ich habe nichts gegen wohlverstandene Hierarchie. Menschen, Vorgesetzte, die über eine na-türliche Autorität verfügen, benötigen keine Machtausübung, werden mit Mitberatungen und Mitbestimmungen in bestimmten Fragen durchaus einverstanden sein, ohne um ihre Autorität zu fürchten. Echte Führer (Hirten) müssten auf die Bedürfnisse, Sorgen, Fragen, Wünsche und die Bereitschaft hören, diese in ihrem "Herzen bewegen" und bereit sein, sie im Geiste Gottes zu beantworten und entsprechende Hilfe in Liebe zu gewähren. Demokratie ist keineswegs der Weisheit letzter Schluss, aber manche demokratische Strukturen schaden auch der Institution Kirche nicht, im Gegenteil, sie könnten für ein menschlicheres Miteinander sehr förderlich sein.

6.3. Hat das 2. Vatikanische Konzil nicht am Ende zu einer neuen Klerikalisierung der Kirche, gar einer Hyperklerikalisierung geführt?

6.4. Das Kardinalat (ursprünglich der Klerus der Kirche Roms und Umgebung!) ist erst in jüngerer Zeit allgemein mit der Bischofsweihe verknüpft worden, wohl um niemanden in der Kurie von einem nichtbischöflichen Kardinal weisungsabhängig zu machen. Frage: Bedarf es unterhalb des Papstamtes in der römischen und den bischöflichen Kurien in der Verwaltung, in der Rechtsetzung und Rechtsanwendung des Vorbehalts und Vorrangs von Bischöfen und ande-ren Klerikern? Warum kann nicht die ganze Kirchenverwaltung Laien anvertraut werden?

6.5. Welche Rolle hat die Frau wirklich in der Kirche, und welche sollte sie haben?

7. Jugend

7.2. Der Dialogprozess hat auch die Aufgabe, die Leute wieder mehr an die Kirche heranzuführen und sich wieder neu von Jesu Botschaft begeistern zu lassen. Für junge Leute besonders wichtig - das Thema „Sexualität“ nicht außen vorlassen! Die katholische Kirche steht in dem Ruf, sexualfeindlich zu sein, indem sie den Sexualverkehr verkürzt - nur in Verbindung mit der Zeugung von Nachkommenschaft - beurteilt und nicht als Ausdruck gegenseitiger Zuneigung und Hochachtung als wichtigen Bestand der Ehe und letztlich auch der christlichen Einehe sieht. Dieser zweite Aspekt müsste von unserer Kirche mehr betont werden, um die Voraus-setzungen besonders für den Dialog mit unserer Jugend zu schaffen.

7.3. Die Kirche wird oft wahrgenommen als moralische Institution, die sich von der Beurteilung be-stimmter Techniken fernhalten und sich mehr um die allgemeinen Grundsätze kümmern sollte. Alle ehelichen Techniken sind gut, wenn sie in gegenseitiger Hochachtung und Liebe gesche-hen und nicht gegen den Grundsatz „Schutz des Lebens von Anfang an“ verstoßen.

8. Staat und Kirche

8.1. Wer bewahrt uns vor schleichenden Verfassungänderungen durch Uminterpretation? Bei-
spiel: „Ehe“ und „Familie“.

8.2. Was heißt noch „Deutschland – christliches Abendland“?

8.3. Gibt es ein Austrittsrecht aus dem staatlichen Kirchensteuerzwang ohne notwendigen Verlust
der Kirchenzugehörigkeit? Wäre nicht die römische Unterscheidung zugleich ein Mittel gegen die Austrittswelle aufgrund dieses Motivs?

8.4. Wie geht die Kirche mit einer möglichen Abschaffung der Kirchensteuer um?

8.5. Ich wünschte, dass man die Kirchensteuer durch Austritt nicht einsparen könnte. Das Geld müsste auch weiter eingezogen und für gute Zwecke, z.B, selbständige caritative Einrichtun-gen, eingesetzt werden.

8.6. Wie bestimmt sich die Verantwortung des Christen als Staatsbürger für das, was er als Christ zwar nicht tut, aber „zulässt“? Beispiele: Moralische Lebensfragen (Experimente und Prakti-ken bei der Zeugung, Euthanasie u.a.).

8.7. Wie steht es um das Verhältnis von Kirche als Volk Gottes und Volk / Völker / Nationen in ei-ner säkularisierten Gesellschaft mit teilautonomen Gemeinschaften (Ehe und Familie)? Sind bzw. wieweit sind sie im Blick auf das Subsidiaritätsprinzip berechtigt, „eigene“ Dinge legitim, nach eigenen Vorstellungen zu ordnen und das gegebenfalls abweichend von anderen Völ-kern / Nationen?
Wenn sie eigenständige Gruppierungen sind, dürfen sie bzw. wie können sie sich vor ver-
fremdender Unterwanderung bzw. konträren Verständnisweisen schützen? Die Sache kann
nicht gut willkürlich für Aborigines und Naturvölker bejaht werden und in etablierten Nationen
unbeachtet bleiben.

9. Katholische Soziallehre

9.1. In der bisherigen Diskussion wird über den Inhalt der katholischen Soziallehre zu wenig disku-
tiert wird.

9.2. Der Selige unseres Bistums, Nikolaus Groß, setzte sich für die katholische Soziallehre ein
und betonte vor allem zwei Elemente im politischen Denken; die Wahrung der Bedeutung
und Rechte der katholischen Kirche und des Glaubens im Volk sowie die Vertretung des Rechtes der Arbeiterschaft auf Gleichberechtigung.

9.3. Die Achtung vor dem Leben und die unveräußerliche Würde des Lebens sind die Basis unse-
rer Gesellschaft und der Arbeitswelt.

9.4. In unserer Wohlstandsgesellschaft sind lebensfeindliche Gesetzgebungen sehr verbreitet und
wird eine geburtenfeindliche Mentalität in hohem Maße gefördert.
Deshalb sollte verboten werden
● die Forschung mit embryonalen Stammzellen
● die Genforschung, wo menschliches Leben vernichtet bzw. wie bei der PID bewertet wird
● die aktive Sterbehilfe.

9.5. Laien, die sich für lebensfeindliche Gesetze einsetzen, sollten sich aus kirchlichen Gremien wie ZdK, Diözesan- oder Gemeinderäten zurückziehen und Im politischen Leben nicht kirch-lich unterstützt werden.

9.6. Besorgniserregend sind Gesetzgebungen, die das Verständnis der Ehe zwischen Mann und Frau aushöhlen und dem im Grundgesetz verankerten besonderen Schutz der Familie wider-sprechen.

9.7. Zur Förderung der Familie gehört:
a) Kinder sind so lange wie möglich in der Familie zu fördern und nicht in Institutionen. Kin-dergarten und Schulen können die Erziehung nur begleiten. Die katholischen Verbände sollten darum die einseitige Einstellung staatlicher Institutionen nicht unterstützen.
b) Kinder gehören in die Familie, bis sie erwachsen sind – in die Familie, die aus Mann und Frau besteht. Das Zusammenleben sollte wieder durch die Liebe bestimmt sein.
c) Zur Förderung der Familie gehört ein ausreichendes Einkommen. Ein familiengerechtes Einkommen muss im Sinne der kirchlichen Soziallehre sowohl für den Lebensunterhalt als auch für eine würdige Freizeitgestaltung ausreichen. Es sollte durch die Arbeit eines Familienmitgliedes erworben werden und auch für die Ausbildung der Kinder ausreichen. Hier sind zuerst die Tarifparteien gefordert. Erst wo diese versagen, muss der Staat ge-setzlich (Mindestlohn) eingreifen.
d) Das Familieneinkommen sollte ermöglichen, Rücklagen und Vermögen zu bilden. Lt. Sta-tistischem Bundesamt 2003 ist dies erst ab einem monatlichen Einkommen von rd. 1300 € netto möglich. Die Kirche sollte Staat und Tarifvertragsparteien in dieser Frage ständig beobachten und mahnen.
e) Staat, Wirtschaft und Kirche haben gemeinsam auf familienfreundliche Arbeitszeiten hin-zuwirken. Vgl. P. Oswald von Nell Breuning SJ, der schon früh die Einführung der 30-Stunden-Woche forderte. Forderungen nach Verlängerung der Arbeitszeiten sind in der Regel familienfeindlich.
f) Auch der Schutz des freien Sonntags ist nach wie vor zu fordern. Im Sinn des Urteils des Bundesverfassungsgerichts sind verkaufsoffene Sonntage aufs Ganze zu vermeiden bzw. nur in Ausnahmefällen zuzulassen. Ausnahmeregelungen wie für Bahnhöfe, Flug-häfen, Profisport, Wallfahrtsorte u.ä. sollten eher eng begrenzt werden.

10. Konkret

10.1. Beanstandet wird oft manches aus Unwissenheit wie z.B. die Unfehlbarkeit des Papstes
oder die Hierachie der Kirche
Vorschlag: Die Öffentlichkeitsarbeit erweitern, indem alle seriösen Medienmöglichkeiten ge-nutzt werden.

10.2. Uns am kirchlichen Leben Teilnehmenden fehlen oft grundsätzliche Kenntnisse, wie sie früher im Religionsunterricht und bei der Christenlehre vermittelt wurden.
Vorschlag: Die wichtigsten Fragen mit den Antworten in einer Broschüre interessant aufge- macht zusammenfassen.

10.3. Bei den Predigten in den Hl. Messen die Rhetorik-Regel beachten
- „ Man kann über alles reden, nur nicht über 15 Minuten“
- Ca. 10 Minuten über das aktuelle Evangelium sprechen und dabei die damalige Situation erläutern und danach die Bedeutung für die heutige Zeit erklären.
- Ca. . 5 Minuten Glaubensunterweisung („Christenlehre“)

10.4. Immer öfter Lieder aus dem Gesangbuch „Kreuzwege“ einplanen. Die Texte und Me-
lodien sprechen auch Jugendliche an.

10.5. Die Priester oder andere engagierte Gemeindemitglieder müssen die Familien der neu
hinzugezogenen Kirchenmitglieder besuchen, sie willkommen heißen und sie mit dem
kirchlichen und gemeindlichen Angebot.vertraut machen – im Sinne des amerikanischen
„See you in Church on Sunday“.

10.6. Nach den Hl. Messen sollte sich der Zelebrant auf dem Kirchenvorplatz sehen lassen und
das Gespräch mit den Leuten suchen.

11. Kirchenreform – Gemeindereform

11.1. Die Erneuerung, die in der Kirche aufbrechen soll, kommt nicht durch weitere Aktionen und
immer mehr Eventveranstaltungen zustande. Geben wir Gott doch einfach wieder Zeit zurück,
die ER uns schenkt im Gebet für die Menschen.

11.2. Ich habe in Skandinavien eine Kirche erlebt, die international ist durch Zuwanderung aus
vielen Völkern. Das prägt eine Gemeinde. Es gibt eine Lebendigkeit und Freude, die allen
hilft. Ich erlebte einen mexikanischen Priester, der erst ein Jahr im Land war und sich für
seine noch unvollkommenen Sprachkenntnisse entschuldigte. Er predigte kurz, doch die
Freude seines Glaubens strahlte er aus, dass es schön sei, den EINEN Gott auf der
ganzen Welt zu loben und zu preisen in so vielen Sprachen. Er feierte – im Gegensatz zu
vielen deutschen Priestern, die sonntags eine hl. Messe und werktags gar keine zelebrie-
ren - dreimal am Sonntag die hl. Messe an drei verschiedenen Orten, um 11.30 Uhr um
13.00 Uhr, um 15.00 Uhr.

11.3. Man sollte die Frage an die Kirchenmitglieder stellen: Bist du bereit den Glauben kennen zu
lernen und zu leben? Willst du Gott deine Antwort geben, um dein Leben mit IHM und auf
IHN hin zu gestalten? Wir helfen uns gegenseitig, den Weg mit IHM zu gehen.

12. Fragen und Wünsche

12.1. Wer spricht noch über Kirchengebote? Gibt es sie noch?

12.2.  Beichte wird kaum noch praktiziert. Müsste sie nicht neu erklärt werden? Was muss ich
beichten? „Andachtsbeichte“ – was ist das?

12.3. In den Werktagsmessen sind oft nur wenige Gläubige. Auch die warten auf ein Gespräch
mit dem Priestern, der sich Zeit für sie nehmen sollte.

12.4. Wenn sich zwei Männer oder zwei Frauen in herzlicher Freundschaft und Liebe zugetan
sind, ist das in Ordnung. Widernatürliche Sexpraktiken sind allerdings nicht gutzuheißen.
Doch was versteht man aber darunter?

12.5. Wenn Ehen scheitern und die Geschiedenen sich anderen Partner zuwenden, sollte das ak-
zeptiert werden, wenn der jeweils andere Partner einverstanden und versorgt ist; das gilt
auch und vor allem für die Kinder.

12.6. Die Entpflichtung vom Zölibat sollte ohne Ausstoßung des Betreffenden aus dem Amt ge-
schehen.

13. „Katholisch“

13.1. Wie soll ich "katholisch" verstehen? Im ursprünglichen Sinn des Wortes "allumfassend",
oder ist es konfessionell zu verstehen?
Mit allumfassend bin ich sofort einverstanden, weil nichts und niemand ausgeschlossen werden kann. Beim konfessionellen Verständnis fürchte ich eine Verengung und Einschrän-kung der Gespräche.

13.2. Ich bezweifle in keiner Weise die Wahrheit des Glaubens – andernfalls müsste ich mir einen anderen suchen -, und es ist selbstverständlich, dass eine klare Position erforderlich ist, sonst wäre echte Toleranz nicht möglich, dann wäre es Indifferenz. Wenn der Bischof (Overbeck) aber von der Hoffnung spricht, dass „wir im Glauben geeint bleiben und von da-her gesehen auch die Spannungen aushalten, die zur postmodernen Welt und somit auch zur Bestrittenheit jeder Position, die so klar und eindeutig ist wie die katholische Kirche, hin-zugehört“, erscheint mir das fragwürdig. Ist und war die Position der katholischen Kirche in allem „so klar und eindeutig“? Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt etwas anderes, meine ich. Und wenn die Position so „glasklar“ ist, braucht sie keine Tabus, meine ich.

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